DOKUMENTATION _

Matthias Marx x Henning Brode

Oktober 2023
Designing Futures 3: Open Design
Betreuung: Prof. Nina Juric

Artefakt

Radio-television turned inside out.

A tube television uses an electron gun to shoot electrons at a screen coated with phosphor. These excite the phosphor, resulting in the emission of light in the colors red, green and blue. A system of electromagnetic coils directs the electron beam across the screen to create an image by combining thousands of pixels.
Our artifact replicates the function of the electron gun in a different way. Electronic components of an old picture tube are thrown at the screen by moving a speaker membrane, creating a visual representation of the received radio signal.

Konzeption

Bevor wir uns als Team fanden, brachten wir jeweils eigene Ideen mit.

Matthias hatte zunächst einen alten DeskOrganizer von Rex ins Auge geworfen und wollte mit ihm eine Symbiose aus Elektroschrott und Natur schaffen, in dem er in das alte Plastikgehäuse einen Brunnen bauen würde.

Henning hingegen wollte schon immer einen Tieftöner zweckentfremden und die physische Bewegung nutzen, um spannende Experimente anzustellen.

Als wir ins Gespräch kamen, brachten wir folgende Artefakte mit auf die Bühne: einen alten Röhrenfernseher, einen passiven Lautsprecher und ein Mikrofon. Die Verbindung aus Sensor (Mikrofon) und Aktor (Lautsprecher) in der Welt des Sounds motivierte uns zu einer gemeinsamen Arbeit. Die alte Bildröhre sollte dabei eine zentrale Rolle spielen: Wir wollten mit der Lautsprechermembran kleine Teilchen zum Springen bringen und dieses Spiel zurück in das alte TV-Gehäuse packen.

Prozess

Mitte der Woche ging es los mit den Arbeiten am Artefakt. Zunächst demontierten wir den Lautsprecher aus der Box und entfernten die Frequenz-Weiche. Die Box war vom Hersteller Grundig, jedoch sah die Front danach aus, als hätte sie jemand im Nachhinein gegen eine einfache Pressspanplatte ausgetauscht.

Danach nahmen wir uns den Fernseher vor. Ein Röhren-Fernseher ist relativ gefährlich, da dieser über Monate hinweg die elektrische Spannung durch die verbauten Kondensatoren und die Röhre halten kann und dadurch die Gefahr eines lebensgefährlichen Stromschlags jederzeit gegeben ist.

Um nicht ständig der Gefahr eines Stromschlags ausgesetzt zu sein, entschieden wir uns relativ schnell, nur Teile des Fernsehers und dessen Platine zu nutzen. Daher besorgten wir uns im Protolab einen Lötkolben und entfernten einige erste Teile des Fernsehers. Uns kam die Idee, die elektrischen Bauteile der Platine mit der Lautsprechermembran in Bewegung zu setzen.

Um hier schnell ins Testen zu kommen, liehen wir am nächsten Morgen eine Verstärker-Endstufe, ein SpeakOn- und zwei XLR-Kabel aus. Das Mikrofon lag griffbereit in der Nähe.

Der Verstärker wurde mit dem Lautsprecher verbunden und alles mit dem kleinen Mischpult aus dem MXL verschaltet. Als Input-Signal wurde zunächst das Mikrofon genutzt. Wenn man den Verstärker stark aufgedreht hat, bekam man den Lautsprecher schon mit relativ wenig Input schon sehr deutlich zum Bewegen.

Gut hierbei zu erkennen: wir benötigen unbedingt einen Aufbau über dem Lautsprecher, damit die Teile die bewegt werden, nicht unkontrolliert aus unserem Artefakte herausfliegen.

Am nächsten Tag haben wir alle Kondensatoren und Widerstände sowie alle anderen Bauteile von der Platine des Fernsehers entfernt. Diese sollen als „Bildelemente“ im späteren Screen des Lautsprecherfernsehers genutzt werden.

Anschließend wurden alle Teile in einen Trichter gelegt, den wir zuvor aus einfachem Papier anfertigten, um zu Testen wie sich die Membran und die darin enthaltenen Teile verhalten.

Leider gab es kurz darauf einen Kurzschluss am Lautsprecher, woraufhin auch der Verstärker nicht mehr funktionieren wollte. Der Stromschlag hinterließ eine schwarze Stelle am Lautsprecher sowie am verbauten Trichter. Uns wurde also schnell klar, dass eine andere Art von „Trichtervorrichtung“ von Nöten wird, die weniger tief zu den sensiblen Stellen des Lautsprechers vordringen kann.

Nachdem wir anschließend herausfanden, dass der Verstärker wohl wirklich in Mitleidenschaft gezogen wurde, besorgten wir einen neuen. Auch die Membran des Lautsprechers funktioniert nicht mehr so einwandfrei.

An dieser Stelle änderten wir unseren Fokus auf die Klangerzeugung. Nachdem wir erste Ideen, uns irgendwie an andere Artefakte parasitär anzuschließen, nach kurzen Überlegungen ausschlossen, kam uns in den Sinn, das Windgeräusch eines Ventilators mit unserem Mikrofon abzunehmen. Bei einem sich schwenkenden Ventilator bekämen wir zusätzlich eine rhythmische Komponente.

Der anschließende Test war sehr interessant, allerdings fehlte uns dabei der Zusammenhang zum Fernseher.

Um konzeptionell auch mit dem Artefaktaufbau weiter zu kommen, skizzierten wir eine Explosionmap unseres Artefakts. Damit wurde klar, dass wir an den Ecken jeweils eine Arte Träger benötigten, die jeweils ca. 1m lang sind.

Im MetalLab war leider niemand mehr vor Ort, sodass wir uns dazu entschlossen, selbst in den Baumarkt zu fahren und Gewindestäbe zu besorgen. Muttern und Unterlegscheiben wollten wir in der Schanzenstraße besorgen.

Nach dem Baumarkt ging es nochmal ins Second-Hand-Kaufhaus „Emmaus“ nach Niehl. Dort gibt es viele elektronische Geräte, die teilweise sehr alt und für wenig Geld zu kaufen sind. Nach ein wenig Schauen und Handeln, fanden wir eine Lautsprecherbox von der Marke Braun die wir für 10€ bekommen konnten. Zusätzlich waren wir auf der Suche nach einer Grundplatte für unser Artefakt. Bei den Backblechen wurden wir fündig. Dieses passt super zur Materialwelt und bietet eine gute Grundstabilität.

Zudem waren wir auf der Suche nach einer Idee, wie wir den Klang für unseren Lautsprecher erzeugen sollten. Zum Beispiel einen Ventilator, ein VHS Recorder oder etwas anderes. Da VHS Recorder doch zu teuer waren, ein Ventilator für uns nicht wirklich passend erschien, kamen wir irgendwann auf ein Radio. Dieses bildet vor allem thematisch eine Verbindung zum Thema des alten Fernsehers. Wir fanden ein kleines billiges Radio der Firma Phillips. Als wir es ausprobierten und manuell durch die Sender wählten, löste die zu hörende Klangwelt automatisch alte Assoziationen hervor. Es war ein absolutes Match für unser Artefakt!

Zurück in der Werkstatt begannen wir das Radio auseinander zu bauen und dieses zu erforschen. Die Technik wirkte simpel und wir konnten die grundlegenden Funktionsbereiche schnell klar erkennen. Wir trennten die Platinen aus ihrem, sodass wir das Radio komplett „nackt“ betreiben konnten.

Als ersten Test verbanden wir per Kabel unseren Lautsprecher an die zwei Pins des integrierten Lautsprechers. Dieser lief dann sogar mit, jedoch nur sehr leise, da die Ausgangsleistung des Radios einfach zu schwach ist. Sehr schade, da wir so immer noch die Endstufe benötigen, trotzdem ein Erfolg, da die Schnittstelle nun so einfach ist.

Als Nächstes nutzten wir ein XLR Kabel, das wir direkt an die Endstufe anschlossen und auf der anderen Seite mit zwei Kabeln an das Radio hielten. So erreichten wir einen ausreichend starken Pegel.

Darauf hin schraubten wir den Lautsprecher auf, den wir jüngst unserem Inventar hinzugefügt hatten. Hinter einigen Woll- & Demmschichten fanden wir Frequenzweiche und die drei einzelnen Treiber. Wir knipsten die zwei Kabel des großen Basstreibers ab und holten ihn aus dem Case. Hinten drauf klebte ein Aufkleber mit der Aufschrift „Made in Western Germany.“ Der Treiber und das gesamte Innenleben des Lautsprechers machten einen sehr qualitativen Eindruck.

Darauf hin schraubten wir den Lautsprecher auf, den wir jüngst unserem Inventar hinzugefügt hatten. Hinter einigen Woll- & Demmschichten fanden wir Frequenzweiche und die drei einzelnen Treiber. Wir knipsten die zwei Kabel des großen Basstreibers ab und holten ihn aus dem Case. Hinten drauf klebte ein Aufkleber mit der Aufschrift „Made in Western Germany.“ Der Treiber und das gesamte Innenleben des Lautsprechers machten einen sehr qualitativen Eindruck.

Als letztes überlegten wir noch welche Art von Scheibe wir in das Gehäuse integrieren möchten. Eine Acrylglasscheibe wirkte auf den ersten Blick eher unpassend, da das Material vielleicht nicht ausreichend flexibel sei. Vanda hatte eine Klarsichtfolie zur Hand, die wir uns leihen durften und schnell mit Panzertape fixieren konnten. Leider war die Folie etwas zu klein, aber der Look überzeugte uns.

Am Mittwoch besorgten wir alle restlichen Teile wie Muttern und Unterlegscheiben in der Schanzenstraße und laserten uns die passende Frontscheibe aus 2mm Acrylglas zu.

Am Donnerstag bauten wir unser Artefakt dann final zusammen. Dafür bohrten wir Löcher in das Backblech sowie die anderen Bestandteile und fixierten alles auf der jeweils passenden Höhe mit Muttern und Unterlegscheiben. Den Basstreiber fixierten wir mit alten Kabeln im oberen Teil unseres Artefakts.

In der Membran experimentierten wir mit der richtigen Mischung aus alten Elektrobauteilen, Wasser und Stärke, damit die Vibrationen der Membran gut zur Geltung kommen. Hier war es eine Herausforderung, eine hohe Viskosität zu erreichen und mit der Mischung nicht zu schwer zu werden, damit der Treiber noch genug Kraft hat Alles in Bewegung zu setzen.

Wir legten erst lose eine schwarze feste Folie als Trichter auf die Membran, füllten die finale Elektroschrott-Wasser-Stärke-Mischung hinein, fixierten die Acrylglasscheibe im Frontcase des alten Fernsehers, steckten dieses dann auf die vier Gewindestangen und befestigten anschließende die schwarze Folie mit doppelseitigem Klebeband unter der Oberseite des Frontcases/Deckels.

Fertig war unser Artefakt und wartete nur darauf von uns bespielt zu werden.

rewoT - Will the (r)evolution be telewaste?

Ein Projekt von Henning Brode & Matthias Marx

Open Design @ KISD

Code & Context